Beteiligungsfinanzierung

Neben der Selbstfinanzierung und der Kreditfinanzierung haben Jungunternehmen bei der Start up-Finanzierung die Möglichkeit, die nötigen Mittel über eine Beteiligungsfinanzierung zu beschaffen. Der Risikokapitalmarkt und der Venture Capital-Markt ermöglichen eine Risikokapitalbeschaffung über die verschiedensten Kanäle:


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Seed Capital

Seed Capital dient in der Vorgründungsphase als Beteiligungskapital für das erst noch zu gründende Unternehmen (Start up):

Definition

  • Seed Capital   =   Beteiligungskapital für ein künftiges Unternehmen

Kapitalgeber

  • Spezialisierte Beteiligungsgesellschaften
  • vermögende Privatpersonen
  • Business Angels

Rechtsnatur

  • Eigenkapital

Voraussetzungen

  • Investoren erwarten auch eine Selbstfinanzierung durch den / die Gründer
  • Businessplan

Verwendungszweck / Zweckbindung

  • Das bereitgestellte Eigenkapital dient in der Phase der Geschäftsideenentwicklung der Finanzierung der Ausreifung und Umsetzung einer Idee in verwertbare Resultate wie z.B. der Erstellung eines Prototyps und zur Versorgung von Existenzgründern mit haftendem Eigenkapital

Anlass

  • Bereitstellung im Rahmen öffentlicher Existenzgründungsprogramme bereitgestellt
  • Einsatz zwecks Innovationsfinanzierung

Vorteile

  • Finanzmittel für Projektanstoss trotz ungewisser Erfolgsaussichten

Nachteile

  • Hohe Unsicherheiten über die künftigen Erfolgsaussichten des Unternehmens im Vergabezeitpunkt
  • Sehr hohes Verlustrisiko für den Kapitalgeber

 

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Ansprechpartner für Seed-Kapital

  • F 1   Founder (Gründer)
  • F 2   Family (Familie) *)
  • F 3   Friends (Freunde) *)
  • F 4   Fools (Verrückte)

Merkpunkt > 4 x F

  • F2 und F 3 sollten berücksichtigen, dass nicht jedes Start up erfolgreich ist

Seed Stage

Seed Stage bedeutet eine Finanzierungsphase:

Definition

  • Seed Stage   =   Finanzierungsphase, in welcher die Finanzierung der Erforschung und ersten Umsetzung der Geschäftsidee dient

Einordnung

  • Venture Capital-Finanzierung

Natur

  • Chronologisches Phasenmodell, als Teil des sog. „Early Stage“
  • Finanzierungsphase

Voraussetzung

  • Businessplan

 

Verwendungszweck / Zweckbindung

  • Finanzierung der Erforschung und ersten Umsetzung der Geschäftsidee

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Venture Capital

Die Wagnisse von Start up-Unternehmen erfordern zumeist den Einsatz von Risikokapital, d.h. Venture Capital:

Definition

Kapitalgeber

  • Beteiligungsgesellschaften (Venture Capital-Gesellschaften (VCG))

Rechtsnatur

  • Mischform von Kredit und Unternehmensbeteiligung über Gesellschaftsanteile

Ziele

  • Überlassung von Risikokapital in Millionenhöhe ohne traditionelle Sicherheiten

Funktion

  • Risikokapital-Finanzierung durch zeitlich begrenzte Mittelüberlassung in Form von Eigenkapital an junge Wachstumsunternehmen
  • Beratung des Managements
  • Begleitung in der Aufbauphase

Vorgängige Finanzierungen Dritter

  • Vor einem Investment der Risikokapitalgesellschaften nutzten Unternehmensgründer andere Finanzmittel wie
    • Privatdarlehen von Freunden und Angehörigen („friends & family“)
    • Anschubfinanzierungen von Business Angels
    • Förderungen (Förderprogramme)

Voraussetzungen (Verwendungszweck / Zweckbindung)

  • Finanzierung nach Unternehmensphasen
    • Es wird je nach Phase im Lebenszyklus des zu finanzierenden Unternehmens werden die folgenden Ausprägungen einer Risikokapitalbeteiligung unterschieden:
      • Seed Stage Capital
        • In früher Seed Finance Phase werden die Finanzen in der Regel für Forschung und Entwicklung benötigt, um ein Produkt oder eine Dienstleistung zur Marktreife zu entwickeln
        • Phase mit sehr hohem Risiko, da kein fertiges Produkt vorliegt und ein kommerzieller Erfolg in diesem Stadium nur sehr schwer abschätzbar ist
        • Kapitalgeber wird eine, im Vergleich zu späteren Phasen höhere Beteiligungsquote beanspruchen und der Einkauf in das Unternehmen erfolgt angesichts des hohen Risikos zu einem niedrigen Preis
      • Early Stage Capital
        • In Early Stage Financing Phase des Unternehmens ergibt sich
          • eine weitgehend abgeschlossene Produktentwicklung weitgehend abgeschlossen
          • ein Kapitalbedarf für
          • Phase mit einem für den Kapitalgeber niedrigem Risiko als beim „Seed finance“, da Produktefunktionalität bereits demonstrierbar
          • Dennoch ein großes Verlustrisiko, da der kommerzielle Erfolg auch in dieser Phase nur schwierig abschätzbar ist
      • Later Stage Capital
        • In der Later Stage Financing Phase (Wachstumsphase) wird die Expansion des Unternehmens mit dem marktreif entwickelten Produkt finanziert, wenn es Umsätze aus dem Verkauf von Produkten erzielt
        • Sichtbarer kommerzieller Erfolg und Kapitalbedarf für den Ausbau der Produktions- und Vertriebskapazitäten
        • Weitaus geringeres Risiko für den Kapitalgeber als in vorhergehenden Phasen, weshalb er sich relativ teuer einkaufen muss
  • Zielunternehmen
    • Wachstumsstarke Unternehmen mit Aussicht auf grosse Umsätze
  • Charakteristika / Kapitalzurverfügungstellung / Anreizsystem
    • Kapitalzurverfügungstellung in mehreren Tranchen / Weiterfinanzierung nur bei Erreichen bestimmter Milestones („staging“)
    • Bevorzugtes Finanzierungsmittel: Wandelanleihe
      • Bei gutem Geschäftsverlauf Möglichkeit zur Partizipation an guten Unternehmensergebnissen
      • Bei schlechtem Geschäftsverlauf weiterlaufende Verzinsung
    • Informations-, Kontroll-, Mitsprache- und Eingriffsrechte, womöglich kann bei schlechter Managementleistung sogar die Geschäftsleitung entlassen werden

Exit-Strategie

  • Desinvestitionsplanung durch den Risikokapitalgeber
    • Dauer
      • Nach 2 bis 7 Jahren – je nach Strategie des Risikokapitalgebers auch später – wird der Austritt (Exit) angestrebt
    • Rückzug aus dem Unternehmen nach erfüllter Aufgabe
      • Der Risikokapitalgeber zieht sich aus dem Start up-Unternehmen zurück
  • Desinvestitionsumsetzung
    • Der Risikokapitalgeber verkauft seine Anteile an der Börse, an andere Unternehmen, Venture Capital-Gesellschaften oder bietet sie dem Gründer zum Rückkauf an
      • Konkret sind folgende Exit-Strategien denkbar:
        • Initial Public Offering (IPO)
          • Börseneinführung des Unternehmens und Anteilverkauf am Markt
        • Trade Sale
          • Übernahme des Start up-Unternehmens durch ein anderes Unternehmen, meist aus derselben Branche
        • Secondary Sale
          • Risikokapitalgeber veräußert seine Beteiligung an einen Dritten
        • Company Buy-Back
          • Der Gründer bzw. Unternehmer käuft die Anteile des Risikokapitalgebers zurück
        • Liquidation

Vorteile

  • für den Risikokapitalgeber
    • Kapitalanlage
      • mit Gewinnhebel bei Beteiligungsnahme, statt blosser Zinsendienst
      • mit Kombination zur Wahl von Beteiligungserfolg oder Zinsendienst im Falle von Wandelanleihen
  • für das Start up-Unternehmen
    • Möglichkeit, Finanzmittel zu erhalten, die auf klassischem Wege nicht generiert werden könnten
    • Support des Risikogeldgebers
    • Möglichkeit, ein Unternehmensgrösse zu erreichen, die mit eigenen Mitteln und aus eigener Kraft sowie in der notwendigen kurzen Zeit nicht erreichbar ist
    • Chance, ggf. weitere Mittel zu erhalten
  • für den oder die Gründer
    • Verwirklichung der gehabten Idee
    • Imagebildung eines erfolgreichen Gründers
      • Dienstleistungsmöglichkeit als Berater
      • Einsatz als Business Angel
      • Geltung als Entrepreneur
    • u.U. finanzieller Erfolg
    • Möglichkeit für die Inangriffnahme eines neuen Start up

Nachteile

  • für den Risikokapitalgeber
    • Totalverlust des Investments
    • Erfahrungsgemässe Erfolgschance von 1 : 10
  • für das Start up-Unternehmen
    • Beteiligungsverlust
    • Entscheidungsverlust
  • für den oder die Gründer
    • Reduktion auf Imagefunktion
    • Je nach Funktion erhöhte Verantwortung auch für die Mittel des Investors
    • Im Falle des Scheiterns wenig bis gar keinen eigenen Nutzen

Weitere Detailinformationen

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Crowdinvesting

Mit Crowdinvesting (auch: Crowdfunding) besteht eine neue, alternative Form der Finanzierung gegen Beteiligungsnahme:

Definition

  • Crowdinvesting =   Schwarmfinanzierung (auch: Gruppenfinanzierung), bei der sich zahlreiche Personen (Mikroinvestoren) mit typischerweise eher geringen Geldbeträgen über das Internet Finanzmittel gegen Beteiligungsnahme zur Verfügung stellen

Kapitalgeber

  • Viele Geldgeber

Natur

  • Digitale Begründung eines Micro-Kredit- bzw. Beteiligungsverhältnisses (B2C)

Ziele

  • Mikroinvestoren
    • Kleinkapitalanlagen, für die im Bankengeschäft keine Möglichkeiten bestehen
  • Jungunternehmen
    • Geldbeschaffung für Vorhaben, die von Banken nicht refinanziert werden

Funktion

  • Nischen-Beteiligungsfinanzierung

Verwendungszweck / Zweckbindung

  • gemäss Ausschreibung in der betreffenden Crowdinvesting-Internetplattform

 

Anlass

  • Finanzierungsbedarf gemäss Ausschreibung in der betreffenden Crowdinvesting-Plattform

Vorteile

  • Finanzierung für sonst nicht refinanzierbare Vorhaben

Nachteile

  • Anonymität
  • Noch zu wenig Praxiserfahrung
  • Unklare Beherrschungssituation
    • Forderungsaufkauf durch Raider oder Konkurrenten denkbar, was bei Erfolgseintritt des Jungunternehmens ein neues Problem auslösen kann (Out of Control)
    • Keine Anker-Beteiligungsinhaber (ausser es seien solche gar nicht erwünscht)

Weitere Detailinformationen

  • https://www.darlehen-kredite.ch/kredite/kreditarten/crowdinvesting

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Business Angels

An dieser Stelle geht es um den „finanzierenden Business Angel“ und seine Relevanz:

Definition

  • Business Angel   =  vermögende Privatperson, welche eigenes Geld, Zeit oder beruflich erworbene Kompetenzen in der Hoffnung auf einen finanziellen Vorteil bzw. Gewinn in ein Start up-Vorhaben bzw. -Unternehmen investieren und damit an Chancen und Risiken der Unternehmensentwicklung teilhaben

Kapitalgeber

  • Business Angel oder eine von ihm beherrschte Entity

Abgrenzung

  • Darlehensgeber / Kreditgeber
    • Diese wollen den ausgeliehenen Betrag gegen Verzinsung wieder zurückbezahlt haben

Rechtsnatur

  • Die Finanzierung des Business Angels ist abhängig von der Ausgestaltung des Finanzierungsverhältnisses
    • Darlehen mit Erfolgsbeteiligung (partiarisches Darlehen)?
    • Venture Capital?
      • FINANZIERUNG-Beteiligungsfinanzierung-Venture-Capital
    • Mezzanine-Finanzierung?
      • FINANZIERUNG-Mezzanine-Finanzierung

Ziele

  • Business Angel
    • Beratung und Erfolgsbeteiligung
  • Jungunternehmen
    • Nutzung der Kombination von Coaching und Finanzierung

Funktion

  • Coach / Mentor und Geldgeber

Verwendungszweck / Zweckbindung

  • Im Allgemeinen
    • Schuldner-Start up
  • Im Besonderen
    • u.U. zur Refinanzierung eines bestimmte Entwicklungsschrittes des Jungunternehmens

Anlass

  • Feststellung eines Finanzierungsbedarfs, vor dem Investitionsschritt oder nach Feststellung einer Finanzierungslücke
    • Quantitativ im Regelfall: ca. CHF 20‘000 bis CHF 250‘000 (Finanzierung auf bescheidenerem Niveau als Venture Capital-Gesellschaften)

Vorteile

  • Kombination von Finanzierung und Coaching
  • Verantwortungsvolles Mitdenken des Business Angels
    • Business Angel will sein Geld auch nicht verlieren
      • Mitentscheiden des Business Angels kann – ohne genügende rechtliche Klärung und Vorsicht bei den Entscheidungen – möglicherweise zu einer faktischen Organstellung führen

Nachteile

  • ev. Konflikt zwischen Unternehmensinteressen und den Interessen des Business Angels
  • Mitverantwortungsentscheide – statt Coaching oder Ratschläge – können eine falsche Richtungsführung ergeben
  • Tiefer Einblick in Businessplan und Unternehmens-Internas

Weitere Detailinformationen

  • Start up-Coaching-Business-Angels

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Investoren

Auch für den Aufbau eines Jungunternehmens wird in der Regel Geld benötigt. Investoren unterschiedlichster Couleur sind in der Lage dieses Startkapital aufzubringen. In der Rechtsordnung fehlen Bestimmungen für solche Finanzierungen. Daher unterstehen solche Vorhaben mit ihren Parametern wie Finanzierungsstruktur, Art und Dauer der Finanzierung der vertraglichen Einigung (Vertragsfreiheit), wobei meistens der Geldgeber die Regeln bestimmt.

Hier die wichtigsten Einsichten in die Elemente und Anforderungen von Investoren an Jungunternehmen:

Definition

  • Investor   =   Natürliche oder juristische Person (Unternehmen), welche – hier – in ein Start up-Unternehmen investiert

Kapitalgeber

  • Person, die nicht nur Geld hingeben
  • Venture Capital-Gesellschaften
  • Bestimmte Banken
    • Zürcher Kantonalbank (ZKB)
    • Credit Suisse (SVC – AG für KMU Risikokapital)

Abgrenzung

  • Bankkredit
    • Banken wollen Geld ausleihen und unabhängig vom Geschäftsgang das ausgeliehene Geld (mit Zinsen) zurückerhalten
    • Banken wollen Sicherheiten (Personalsicherheiten (zB Bürgschaft) oder Realsicherheiten (zB Schuldbrief auf Privatliegenschaft)
      • Sicherheiten aus dem Privatvermögen untergraben die als Haftungsbeschränkung durch die gewählte Rechtsform der AG oder GmbH
  • Business Angel
    • Beratung (und Finanzierung (Eigenkapital und / oder Fremdkapital))
  • Venture Capital
    • Finanzierung über Beteiligungsnahme (Eigenkapital)

Rechtsnatur

  • Eigenkapital (Unternehmensbeteiligung)
  • Je nach Situation und Zeitpunkt zusätzlich Fremdkapital

Ziele

  • Investor
    • Eigenkapital gegen Unternehmensanteile und Partizipation am potenziellen Erfolg des Unternehmens
      • Grosses Risiko erfordert hohe Gewinnmöglichkeiten (hoher Multiplikator des eingesetzten Kapitals)
        • Regel: auf 10 Start ups hat nur eine Erfolg
        • Um über alles Erfolg zu haben, arbeiten Investoren mit dem (Mindest-)Faktor 10, da die Verluste der fallierten 9 Projekte durch „das einmalige“ Projekt gedeckt werden sollten
  • Jungunternehmen
    • Beschaffung von Eigenmitteln für Aufbau, Expansion und Konsolidierung

Funktion

  • Zurverfügungstellung von Eigenkapital

Voraussetzungen / Grundlagen

  • Bereitschaft der Investoren zum Engagement nur unter folgenden Bedingungen
    • Finanzierungsbereitschaft der Gründer als Erstes / Höhe des Gründerengagements ist für Investoren weniger wichtig
  • Finanzierungswürdige Idee bzw. Geschäftsmodell
    • Erfolgversprechende Ideen und Geschäftsmodelle die Finanzierungsbereitschaft von Investoren finden eine Finanzierungsbereitschaft der Investoren
  • Intakte Beziehung zwischen Geld und Zeit
    • Exit
      • Investoren wollen nach bestimmter Zeit wieder aussteigen und „Kasse machen“
      • Berücksichtigung dieses Bedürfnisses durch die Gründer, am besten durch Einbeziehung der Exit-Strategie bei Unternehmenspräsentation für die Beteiligungsfinanzierung

Verwendungszweck / Zweckbindung

  • meistens individuell bestimmt
    • Überwachung durch Einsitznahme des Investoren oder seiner Vertreter im VR

Dauer

  • Befristete Kapitalzurverfügungstellung
    • 4 – 7 Jahre (Beteiligung, Geschäftsleitung, Verwaltungsratsmitgliedschaft)
    • Optimistische Investoren gehen von 3 – 5 Jahren aus
  • Exit
    • siehe oben

Vorteile

  • Möglichkeit, das Know how und die Erfahrungen der Investoren zu nutzen
  • Möglichkeit zur finanzierten Projektverfolgung (kein Suchaufwand für Geld, keine Realisationsunterbrüche etc.)
  • Skalierung Businessmodell

Nachteile

  • Gründer gibt / geben absolute Selbstbestimmung ab
  • Mögliche Stressverlagerung von Liquiditätsknappheit zu Beteiligungsbetreuung bzw. Konflikten mit Mitaktionär (Investor)

Weitere Detailinformationen

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